Turnverein Erkelenz 1860 e.V.

Tischtennis

Es ist Pfingstsamstag - 09:06 Uhr. Im früheren "Normal" war ich da schon eine Stunde in der Halle. Gehe nochmal die organisatorischen Dinge für den ersten Tag durch, bevor es mit der Anmeldung vor Ort losgeht. Wenn man jetzt aus dem Fenster schaut, wäre auch perfektes Hallenwetter gewesen, wobei die frühen warmen Sommerabende immer den besonderen Flair des Turnierwochenendes ausmachten. Die Zeitung hat mich neben den obligatorischen Zahlen zu Corona auch wieder auf die Klima-Katastrophe eingestimmt, dafür habe ich jetzt erstmal die Heizung höher gedreht. Schreiben und und frieren ist nicht so meine Sache.

Aber kommen wir zurück zum Turnier und nicht meine persönliche Sorgen, wir wollen positiv bleiben: Samstag ist immer der erste aktive Tag des Spektakels gewesen, wobei es auch einmal ein Experiment für den Freitagabend gab. Früher ging es über drei Tage, mittlerweile haben wir das Turnier auf zwei Tage verkürzt. Weniger helfende Hände zollen ihren Tribut und ein Nachdenken. Dinge müssen geändert werden, wenn die nicht mehr optimal laufen und funktionieren. Wer kennt diesen Satz nicht:"Haben wir immer schon so gemacht". Eine Gesellschaft lebt von Veränderung, vom "Weiterkommen". Unsere kapitalistische System propagiert den Wachstum. Damit soll in die Zukunft investiert werden können, auch sollen damit die Corona-Schulden demnächst abgebaut werden. Zumindest wird das so erzählt. :-) Damit der Rubel bei uns in der Abteilung für die Jugendarbeit  läuft, hat man vor fast drei Jahrzehnten das Turnier gegründet. Der Handlungsspielraum wurde durch immer mehr Teilnehmer vergrößert. 2017 hatten wir über 700 Teilnehmer, letztes nur knapp 400. Für mich hat das vom Aufwand fast kein Unterschied gemacht. Für mich selbst die Woche vor dem Wochenende immer die Höllen-Woche ist: 50% der Voranmeldungen passieren in dem Zeitraum. Glücklicherweise fast ausschließlich über das Online-Formular oder per E-Mail. Die letzte Anmeldung per Telefon ist schon was länger her, vielleicht 2018, als die Welt noch 'normal' war. 

Aber was ist heute schon noch 'normal'? Das Pfingstturnier ist jetzt das zweite Mal in Folge wegen des Killer-Virus' ausgefallen. Zwei Spielzeiten sind abgebrochen. 2019/2020 haben vier Spieltage bis zum Ende gefehlt. Auf soviele Partien können manche noch nicht mal insgesamt in der abgelaufenen Spielzeit 2020/21 zurückblicken. In den letzten vierzehn Monaten Pandemie konnte von Ende Mai bis Mitte Oktober trainiert werden. Der Wettkampf spielte sich dann in sieben Wochen ab. Die Planungen für die neue Spielzeit 2021/22 laufen gerade an. Niemand weiß was kommt, trotzdem muss man die Aktiven bei der Stange halten. Sämtliche Sportarten haben mit Mitgliederschwund schon vor Corona zu kämpfen gehabt. Die Frage ist: wird es jetzt nochmal einen Schub geben oder kann der Trend abgebremst werden? Für beide Szenarien habe ich schlüssige Argumente, aber um den Mitgliedern ein Angebot zu machen, braucht man auch Leute die anpacken, helfen und bewegen wollen. Ehrenamtliche Arbeit ist nicht mehr attraktiv genug, so wird auch die bezahlte Arbeit in Vereinen zu nehmen (müssen). Ob steigende Beiträge dann mit steigenden oder konstanten Mitgliederzahlen vereinbar sind? Die Spaßgesellschaft soll so einfach wie möglich sein. Vereine werden zu Dienstleistern. Aber auch die vierzehn Monate Pandemie haben mit mir was gemacht: ich vermisse die Dinge, um die ich mich im Verein gekümmert habe erstaunlicherweise eher weniger. Öfters hatte ich jedoch das Bedürfnis, Samstagabend beim Bier in der Halle zu sitzen und Menschen beim Versuch Tischtennis zu spielen - oder es so aussehen zu lassen - zu beobachten, anzufeuern oder zu fachsimpeln. Durch die neue freie Zeit bleibt viel Zeit für alte und neue Hobbys. Man kann mit dem Rad in die Eifel, ins Hohe Venn oder an den Niederrhein fahren und ist am Ende in anderen Welt. Es bleibt Zeit für Geschichte, Literatur und Philosophie. Begriffe wie Freiheit, Privilegien, Selbstbestimmung, Eigenverantwortung, Grundrechte, treuer Untertan und der mündige Bürger haben dabei klare Konturen bekommen. Deutschland hat in in seiner 150-jährigen Geschichte Bekanntschaft mit zwei totalitären Systemen gemacht und die Öko-Sozialisten wollen ab Oktober das Land in eine neue Ära führen. Ist das neue 'Normal' wirklich die Welt, in der wir alle leben wollen? Es wird gesagt, dass es kein zurück zum 'alten normal' gibt. Aber wer bitte entscheidet das? Das Volk ist das Souverän und wir brauchen uns nicht in eine Form einer infantilen Gesellschaft transformieren lassen. Deshalb muss mehr direkte Demokratie gewagt werden.

Während man jetzt mit Hoffnung in den Sommer gehen sollte, warnt man wieder vor zu frühen Lockerungen. Es wird Zeit, dass die Menschen wieder 'ihrem' Sport nachgehen können, aber das Tischtennis-Ass aus Köln mahnt jetzt bereits vor der vierten Welle. Dabei sollte die Aufmerksamkeit lieber auf positive Aussagen gelenkt werden. Soziale Kontakte und Bewegung sind richtig und wichtig für physische und psychische Gesundheit. Ab einer Inzidenz unter 50 können die Hallen wieder aufgemacht werden. Wenn man die Verordnung rein schaut, aber nur die 3G. Ich frag mich da immer, wie wir letztes Jahr überleben haben und wie das nach dem Sommer in einem regulären Spielbetrieb umgesetzt werden soll. Für mich persönlich habe ich dazu glücklicherweise schon die Fragen dazu beantwortet. 

Mein Tipp zum Abschluss: lassen Sie den Fernseher aus und melden sich bei den Streamingdiensten ab. Schränken Sie Alkohol und Zucker auf ein gesundes Maß ein, gehen Sie raus in die Natur und nehmen ein Buch in die Hand. Unser Gehirn braucht auch haptische und intellektuelle Erlebnisse. Schauen Sie auch mal auf die Bewältigung der Corona-Krise in anderen Länder (z.B. Schweiz und Schweden) oder wie auch eine Vielzahl der Bundesstaaten in den USA jetzt mit den Maßnahmen umgehen. Und zweifeln Sie ruhig. Prof. Wieler hat vor Wochen zwar etwas anderes behauptet, aber der Zweifel ist eine wichtige Erkenntnis der Aufklärung. 

Bleiben Sie gesund und ein schönes Pfingstwochenende.

 

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